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62. Tagung für Müllerei-Technologie 2011

Die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V. veranstaltete vom 13.-14. September 2011 in Detmold auf dem Schützenberg ihre 62. Tagung für Müllerei-Technologie. 252 Besucher aus Belgien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz, und Deutschland verfolgten das angebotene Tagungsprogramm mit Themen über Rohstoffe, Technologie, Hygiene und Energie. Die Vorträge wurden auch in diesem Jahr simultan ins Englische übersetzt.

Prof. Dr. Meinolf G. LindhauerNach der Eröffnung der Tagung durch den Vizepräsidenten der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V. Prof. Dr. Meinolf G. Lindhauer, Detmold, begann die Tagungsveranstaltung.

 

Ludwig BalkhausenLudwig Balkhausen, Hamburg, referierte in seinem Übersichtsvortrag über die Bedeutung der Schwarzmeerregion auf dem Weltweizenmarkt und deren Auswirkungen für die deutsche Mühlenindustrie. Er erläuterte eingangs die Statistiken bzgl. Weltgetreideproduktion und -verbrauch und die Preisstruktur an den Börsen. Anschließend stellte Herr Balkausen die Getreideproduktion in den sogenannten „RUK Staaten“ in den letzten 5 Jahren dar. RUK steht hierbei für Russland, Ukraine und Kasachstan. Zudem zeigte er die Getreideexportmengen der RUK Staaten im Vergleich zu den USA in den letzten 10 Jahren auf und verwies auf das nach wie vor schwierige politische Umfeld in der Schwarzmeerregion.

Britt MøllerIm Anschluss wurde der Tagungsschwerpunkt „Rohstoffe“ durch Britt Møller, Horsholm (Dänemark) eröffnet. Sie stellte ein Gerät (VideometerLab)  zur quantitativen Detektion der Fusarium-Infektion bei Gerste/Weizen vor. Dieses Gerät kann, auf Basis multispektraler Bildanalyse,  inbesondere in der Wareneingangs- oder bei Zwischenprüfungen im Prozess Anwendung finden.

 

 

Dr.-Ing. Klaus MünzingDr.-Ing. Klaus Münzing, Detmold, erläuterte die Weizennetzung aus heutiger Sicht und stellte interessante Aspekte zu dem Thema in seinem Vortrag dar. Es wurden in der experimentellen Studie zwei Netzverfahren der im Mühlentechnikum des Instituts installierten Technik an drei handelsüblichen Weizenchargen der Ernte 2010, mit unterschiedlicher Herkunft vergleichend untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass sich das Eindringen des zugeführten Wassers ins Korn durch die Technik der Wasseraktivitätsmessung gut verfolgen lässt.

 

Dipl.-Ing. Markus LönsÜber durchgeführte Untersuchungen an Weizenvollkornmehlen, deren  Feinheitsgrad und rheologische Parameter sprach Dipl.-Ing. Markus Löns, Duisburg. Bei den ersten Versuchsreihen zeigte sich, bei einzelnen Vollkornmehlen, Auffälligkeiten zwischen einigen Analyse und der rheologischer Untersuchung. Besonders deutlich waren diese beim Vergleich des Amylogramms und der Fallzahl sowie den Protein- und Feuchtklebergehalten und Kneteigenschaften beim Weizenvollkornmehl. Auf Grund der speziellen Zusammensetzung des Vollkornmehles mit allen Bestandteilen des Korns, haben die Kleie und ihre Partikelgröße im Mahlgut einen wesentlichen Einfluss auf die Analysenergebnisse. Dies wird besonders beim Weizenvollkornmehl deutlich. Bei Roggenvollkornmehl wurde das Augenmerk der Modellversuche auf die Knetung gerichtet.

Dr.-Ing. Klaus MünzingIn einem weiteren Vortrag von Dr.-Ing. Klaus Münzing, Detmold ging dieser auf das Thema der mahltechnischen Möglichkeiten zur Beeinflussung der Roggenbrotqualität ein. Er führte aus, dass das Thema aufgegriffen wurde, mit dem Ziel, die noch bestehenden Wissenslücken in der Frage der Wirkungszusammenhänge zwischen der Inhaltstoffzusammensetzung und den technofunktional wirksamen Eigenschaften der Roggeninhaltsstoffe durch Variation der mahltechnischen Möglichkeiten darzustellen. In dieser experimentellen Orientierungsstudie stehen die wasserbindungsrelevanten Inhaltsstoffe Stärke und Pentosane im Vordergrund. Sie haben in der Roggenverarbeitung eine zentrale Bedeutung für die Struktureigenschaften und für das Mahl- und Backverhalten. Sie verfügen über komplexe, aufeinander abgestimmte Quellungsmechanismen, die die Hydratation und das viskose Verhalten während der Verarbeitung im starken Maße beeinflussen.

Nach den Vorträgen, die sich mit Rohstoffen beschäftigten, wurde die Tagung mit dem Bereich „Technologie“ fortgesetzt.

Johannes Münstermann und Herbert PertlDie Vorstellung eines Mühlenneubaus der Mills United Hovestadt & Münstermann GmbH in Recklinghausen stand im Mittelpunkt des Vortrages von Johannes Münstermann. Dieser Vortrag wurde durch Herbert Pertl, Braunschweig mit technischen Details des Umbaus ergänzt.

 

Dr.-Ing. Bernd BroeckmannDr.-Ing. Bernd Broeckmann, Hamm sprach anschließend über den Brand- und Explosionsschutz in Mühlen, da Explosionsereignisse in Mühlen häufiger auftreten, als dies im Bewusstsein der Bevölkerung und auch der Betreiber oft angenommen wird. Zwar erschüttern schwere Schadensfälle in größeren zeitlichen Abständen die Branche, kleinere Ereignisse werden hingegen oft nicht publik. Der Gesetzgeber hat den Betreibern von Mühlen, wie allen Betreibern von Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen, daher besondere Anforderungen auferlegt. Hierzu zählen die Ermittlung der Gefährdung durch die eingesetzten Stoffe (Gefahrstoffverordnung), die Einhaltung entsprechender technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen (Betriebssicherheitsverordnung) und der Einsatz speziell geprüfter Geräte in entsprechenden Anlagenbereichen (ATEX-Regelwerk). Diese Aufgaben sind europäisch einheitlich geregelt, allerdings sind Art und Umfang der erforderlichen erstmaligen und wiederkehrenden Prüfungen dann länderspezifisch.


Christian MüllerDie Vollintegration des Labors in ein Produktionsleitsystem wurde von Christian Müller, Wiesbaden erläutert. Er führte aus, dass der Qualitätssicherung eines Unternehmens, aufgrund der steigenden Kundenanforderungen an die Produktqualität, die immer stärker durch Anforderungen an die internen Abläufe untermauert werden, eine immer größere Bedeutung zu kommt. Ebenso sind die gesetzliche Bestimmungen sowie die Randbedingungen einer wirtschaftlichen Herstellung von Mehl und Getreidemahlerzeugnissen wichtige Gründe für interne Laboruntersuchungen in Mühlenbetrieben. Das Labor ist inzwischen als „Kompetenzzentrum Qualität“ zu der zentralen Stelle für die Qualitätssicherung eines Unternehmens geworden und dadurch zuständig für:

  • Kundenanforderungen: Spezifizierung, Durchführung und Überwachung,
  • Produktionsprozess: Produktionsvorgabe und -überwachung,
  • Qualitätskontrolle: von der Rohwarenannahme bis zur Endkontrolle.

Die Vollintegration des Labors in z.B. bestehende Produktionsleitsysteme wurden anschaulich und praxisnah vorgestellt.

Nach dem letzten Vortrag am ersten Tagungstag hatten die Aussteller der Tagung für Müllerei-Technologie die Gelegenheit ihre Neu- und Weiterentwicklungen in kurzen Beiträgen im Rahmen des Ausstellerforums vorzustellen. Die anschließenden Diskussionen konnten dann im Rahmen von „Brot & Wein“ direkt an den Ständen der Aussteller geführt werden.

Matthias PernerMatthias Perner, Passau eröffnete den zweiten Tag der Veranstaltung und ging auf die Reinigung von Silofahrzeugen mit Trockeneis ein. Das Reinigen, z.B. von Anlagen, gehört bei der Herstellung von Lebensmitteln zu einer der wichtigsten Aufgaben im Produktionsprozess, um eine Kontamination von Lebensmitteln mit Mikroorganismen zu verhindern. Hygiene ist wichtig, die Bildung von Belägen und Biofilmen muss unbedingt verhindert werden. Die Standards in der Lebensmittelindustrie sind nicht nur bei der Produktion äußerst streng, sondern gelten auch für Dienstleister im Bereich Transport & Logistik. Dies gilt insbesondere auch für Silofahrzeuge, die in der letzten Zeit immer wieder im Focus der Medien standen. Das Trockeneisverfahren, als umweltfreundliche Reinigungsmethode, gewann in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung. Mit einer speziellen Strahlpistole werden tiefgefrorene Trocken-eiskörnchen (Pellets) mit hoher Geschwindigkeit auf die zu reinigende Oberfläche gestrahlt. Das CO2 entfernt dabei die Verschmutzung, ohne die Oberflächenstruktur zu verändern oder zu beschädigen. Das Trockeneis verdampft bei diesem Prozess rückstandsfrei, es fallen keinerlei Strahlgutrückstände an. Anschaulich verdeutlichte Herr Perner die Grundlagen der Trockeneisreinigung und den Vorgang der Reinigung von Silofahrzeugen.

Hansjörg HaldnerEin weiterer Beitrag im Tagungsschwerpunkt „Hygiene“ wurde von Hansjörg Haldner, Uzwil (Schweiz) vorgestellt, der über die Umsetzung der Hygienestandards in der Mehlmischerei berichtete. Herr Haldner führte aus, dass der Bereich der Mehlmischerei ein flexibler und leistungsfähiger Anlagenteil und ein fester Bestandteil eines modernen Mühlenbetriebes sei.  Die Mehlmischerei in der der Grossteil der gesackten und lose gelieferten Fertigprodukte hergestellt wird, ist notwendig um auf die individuellen Bedürfnisse der Mehlabnehmer eingehen zu können. Die Vielfalt der Komponenten, insbesondere flüssige, pastöse und fettige Beigaben, verlangen vom Betreiber hohe Kenntnisse in der Lagerung und im Betrieb der Mischanlagen. Auch müssen die Anlagenteile und insbesondere der Mischer nach den neusten Standards in der Lebensmittelsicherheit konstruiert werden. Herr Haldner stellte einen Mischer „Sanimix“ dem Auditorium vor.

Die folgenden beiden Vorträge waren dem Schwerpunktthema „Energie“ zuzuordnen.

Dipl.-Ing. Gerhard KerschbaumerDipl.-Ing. Gerhard Kerschbaumer, Innsbruck (Österreich) sprach über ein Energieeffizienz-Konzept in Mühlen. Hierbei ging er auf die Analyse geeigneter Maßnahmen und deren Potentiale für Mühlenbetriebe ein. Er erläuterte, dass die Leistungsfähigkeit einer Mühle seit jeher in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Energie stand. Der Müller hat daher auch heute, in Zeiten uneingeschränkter und ständiger Energieverfügbarkeit, eine besondere Affinität und ein besonderes Augenmerk auf den effizienten Einsatz von Energie. Die Einschätzung der Energiepreisentwicklung auf den zunehmend volatilen und komplexen Energiemärkten wird für den Mühlenbetrieb jedoch immer schwieriger. Gleichzeitig nimmt mit dem steigenden Automatisierungsgrad die Energieintensität im Produktionsprozess zu. Die notwendige Informations- und Wissensbasis zur kostenoptimierten Beschaffung und zum effizienten Einsatz von Energie sowie die entsprechende Kompetenz neue und geeignete Technologien zu nutzen, werden daher insbesondere bei steigenden Energiepreisen zu bedeutenden Wettbewerbsfaktoren, führte Herr Kerschbaumer aus.

Stefan von FeltenAuf die Energiegewinnung aus der Verbrennung von Getreidebesatz ging Stefan von Felten, Villmergen (Schweiz) ein. Die Dambach AG investierte rund fünf Millionen Franken in ein neues Lagerhaus und eine neue Energiezentrale und setzt dabei auf ein in der schweizerischen Müllerei einmaliges Energiekonzept. Dank Bio-Brennstoffen wurde der CO2-Ausstoss der Schälmühle um 95 % reduziert. Unterstützt wurde das Projekt vom Kanton Aargau und von der Klimastiftung Schweiz. Mit dem Ziel, nicht-fossile Energien zu verwenden, hat die Dambach AG nach einer innovativen Lösung für die Erzeugung des für die Flockenproduktion notwendigen Prozessdampfes gesucht. Ein wegweisendes, in der Schweizer Müllerei einmaliges Energiekonzept, in welchem einerseits Getreidereinigungsabfälle und andererseits Biobrennstoffe einer Feuerungsanlage zugeführt werden (Wirkungsgrad von 84 %), erfüllt alle Anforderungen des Produktionsprozesses und die strengen Auflagen der Luftreinhalteverordnung.

Die Vortragsreihe der 62. Tagung für Müllerei-Technologie wurde mit dem Themenschwerpunkt der Errichtung einer Pelletpresseanlage in einem Mühlenbetrieb beendet. Anhand eines praktischen Beispiels berichteten sechs Referenten aus ihrem jeweiligen Spezialgebiet von der Planung und Umsetzung bis hin zu diversen Genehmigungsverfahren bei der Einrichtung einer Press-Anlage zur Pelletherstellung.

Die Tagung wurde mit einem Schlusswort durch den Vorsitzenden des Ausschusses für Müllerei-Technologie, Friedrich-Wilhelm Borgstedt beendet. Herr Borgstedt wies die Teilnehmer u.a. auf das, der Tagung für Müllerei-Technologie folgende, Detmolder Erntegespräch hin.

Die ausführliche Tagungsnachbetrachtungen der Tagungen für Müllerei-Technologie 2009, 2010 und 2011 finden Sie nachfolgend.

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