AGF e. V. > Veranstaltungen > Veranstaltungen Rückblick

26. Getreide-Tagung 2013

Rund 100 Getreidezüchter kamen nach Detmold

Die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V. veranstaltete am 13. und 14. März 2013 in Detmold auf dem Schützenberg ihre 26. Getreide-Tagung, die vom Vizepräsidenten der AGF Prof. Dr. Meinolf Lindhauer eröffnet wurde. 89 Teilnehmer verfolgten das interessante Tagungsprogramm mit den Schwerpunkten Zukunftsperspektiven des Weizens, Spelzweizen, Qualitätssicherung, Analytik, sowie Risiken und Chancen des Weizenanbaus.

Für die Zusammenstellung der Inhalte war der AGF-Ausschuss für Getreide unter der Leitung von Gerhard Freimann (Arbeitsgemeinschaft für Qualitätsweizenanbau Niedersachsen) und Dr. Lorenz Hartl (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) verantwortlich.

GerjetsNach der Eröffnung der Tagung durch den Vize-Präsidenten der AGF e.V. Meinolf G. Lindhauer (Max-Rubner-Institut, Detmold) begann die Vortragsreihe über die Zukunfsperspektiven des Weizens mit einem Vortrag von Dr. Tanja Gerjets (Gesellschaft für Erwerb u. Verwertung von Schutzrechten - GVS mbH) über die Initiative proWeizen, einer Forschungs- und Züchtungsallianz für eine nachhaltige Intensivierung und Ertragsteigerung. Da die Ertragssteigerungen in Weizen in den letzten Jahren hinter denen in anderen wichtigen Nutzpflanzen zurückgeblieben sind ist es notwendig, sowohl die Anstrengungen in der Weizenforschung als auch in der Weizenzüchtung zu erhöhen und zu bündeln. Die Plattform proWeizen soll die wissenschaftliche Exzellenz der Weizenforschung und die Züchtungsexpertise der Unternehmen in Deutschland vereinigen.

LindhauerProf. Dr. Meinolf G. Lindhauer (Max Rubner-Institut, Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide) gab einen Überblick über die aktuelle Diskussion über Brotweizen als Gefahr für die Gesundheit Dieser Vortrag wurde ins Programm genommen, da der amerikanische Kardiologe William Davis den Weizen in seinem Buch „Wheat Belly“ (Weizen-Wampe) für eine große Fülle von Krankheitsbildern, Gebrechen und ungebremste Fresslust verantwortlich macht. Das Krankheitsbild der Zöliakie wurde ebenso behandelt wie das Leben mit der Krankheit.

AhlemeyerDr. Jutta Ahlemeyer (Deutsche Saatveredelung AG) referierte zum Thema: Die Weizenerträge in Deutschland stagnieren – Welchen Einfluss hat der Züchtungsfortschritt? In der landwirtschaftlichen Praxis wird in jüngster Zeit eine gewisse Stagnation der Kornerträge bei Winterweizen und anderen Getreidearten beobachtet. Als Ursache hierfür wird neben dem Klimawandel und engeren Fruchtfolgen immer wieder auch der Züchtungsfortschritt diskutiert. Zu diesem Thema wurde ein Forschungsprojekt mit 90 Winterweizensorten vorgestellt. Es wurde belegt, dass ein Drittel des Ertragsanstiegs auf die Verbesserung des Ertragspotenzials der Sorten zurückzuführen ist. Die neueren Sorten sind signifikant früher, kürzer, standfester und zeigen eine deutlich verbesserte Resistenz gegenüber Mehltau, Braunrost und Blattseptoria.

KazmanDr. Ebrahim Kazman (Lantmännen SW Seed Hadmersleben GmbH) gab einen Ausblick über die Zukunft des Weizens, die Zukunft der Züchtung und die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Fruchtarten. Zurzeit besitzt Weizen die weltweit größte Anbaufläche. Mengenmäßig ist der Weizen die drittgrößte Getreideart nach Mais und Reis. In Europa dominiert Weizen unter den Ackerfrüchten sowohl in der Anbaufläche als auch in der erzeugten Menge. Deutschland und Frankreich gehören zu den 10 wichtigsten Exportländern. Die Nachfrage nach Weizen in den Entwicklungsländern wird voraussichtlich bis 2050 um 60% steigen. Zur gleichen Zeit sind durch die weltweite Temperaturerhöhung Ertragsminderungen zu erwarten. Somit ist die zukünftige globale Versorgung von verschiedenen Faktoren abhängig: Klima, Markt, Anbautechniken und Fortschritt in der Züchtung. In Europa stagnieren in den letzten Jahren die Erträge beim Getreide.

SchwabeInes Schwabe (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft) ging im Schwerpunkt Spelzweizen auf die Ertragsleistung und Besonderheiten im Anbau von Spelzweizen - Einkorn, Emmer und Dinkel - unter Thüringer Anbaubedingungen ein. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt gewinnt in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Weizenanbau in Thüringen um­fasst etwa 40 % der Ackerfläche und 60 % der Getreidefläche. Spelzweizenarten, wie Einkorn, Emmer und Dinkel gerieten lange Zeit in Vergessenheit. Ein Hauptgrund für ihre geringe Anbau­bedeutung sind die niedrigeren Erträge gegenüber den modernen Weichweizensorten. Sie zeichnen sich aber als extensive, robuste und anspruchslose Arten mit geringen Standortansprüchen und speziellen Inhaltsstoffen aus. Ende des 20. Jahrhunderts brachte der Aufschwung des Ökolandbaus eine Renaissance des Dinkels mit sich, was seitdem zu einer stetigen Ausdehnung seiner Anbaufläche sowie zu einer zunehmenden züchterischen Bearbeitung führte.

MünzingDr. Klaus Münzing (Max Rubner-Institut, Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide) informierte über die Qualität von Spelzweizen -  Einkorn, Emmer und Dinkel - unter Thüringer Anbaubedingungen.  Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war Spelzweizen in Mitteleuropa mit einer Anbaufläche von über 200.000 ha (gegenüber 12.000 ha Weichweizen) die wichtigste Brotgetreideart. Da Spelzweizen züchterisch schwieriger zu bearbeiten war und auch agronomische Nachteile aufwies, reduzierte sich der Anbau bis 1970 auf ca. 1000 ha. Mit neuer Wertschätzung ist Spelzweizen, insbesondere Dinkel, im Warensegment Brot und Gebäck weiter auf dem Vormarsch. In den bisherigen MRI-Forschungsvorhaben standen methodische Probleme zur Qualitätsbewertung für Einkorn, Emmer und Dinkel im Vordergrund. In diesem Zusammenhang wurden die Standardmethoden zur Erfassung der Prozess- und Produktqualität geprüft und zur Unterstützung zukünftiger Landessortenversuche und Sorten-Wertprüfungsstudien weiterentwickelt.

Im Anschluss ging Herr Dr. Münzing noch auf die Mahl- und Backqualitätseigenschaften von Dinkel ein. Aus Dinkel hergestellte Produkte unterscheiden sich gegenüber denen aus Weizen hergestellten Produkten deutlich. In den Merkmalen des Dinkel-Verarbeitungswertes werden die Unterschiede sichtbar. Damit sind Dinkel-konforme Methoden zur Bewertung der Mahl- und Backqualitätseigenschaften erforderlich. Die Ergebnisse von nahezu 400 Dinkelmustern wurden ausgewertet. Der Rohproteingehalt der Kerne korreliert bei manchen Sorten sehr gut mit den Ergebnissen des RMT-Backversuchs. Er liefert den höchsten Beitrag für die Backwirksamkeit. Der SDS-Sedimentationswert (Eiweißqualität des Reserveproteins) ist nachgeordnet. Er scheint bei hohen Proteinschwankungen wenig Aussagekraft für die Backvolumen-Prognose zu haben. Die Beziehung zum RMT-Backvolumen kann aber verbessert werden, wenn der spezifische SDS-Sedimentationswert (Quotient aus SDS-Sedimentationswert und Rohproteingehalt) als Grundlage dient. Für die Bewertung der Dinkelmehltype 630 existiert eigens ein Standard-Backversuch für Dinkel-Kleingebäck. Für Dinkel Bio-Backwaren wurden zwei alternative Backtests entwickelt und vorgestellt: Für die Type 630 und für Dinkel-Vollkornmehlbrot mit Bio-konformen Backzutaten. Gewünschte Teigeigenschaften können durch Reduzierung der Schüttwassermenge und Erhöhung der Ascorbinsäuremenge (Acerolakirschpulver-Zugabe) erreicht werden.

AdlerIm Schwerpunkt Qualitätssicherung berichtete Dr. Cornel Adler (Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) über neue Ansätze im Getreide-Vorratsschutz zur Verringerung von Nachernteverlusten. 2007 wurde europaweit die Zulassung für Dichlorvos (DDVP) widerrufen. Der DDVP abgebende Strip war bis dato ein sicherer Schutz gegen zufliegende Vorratsschädlinge im Getreidelager. Bereits 2008 kam es zu ersten Hinweisen über verstärktes Auftreten von Motten in Getreidelägern während der warmen Sommermonate. Ziel des vorgestellten Innovationsprojektes mit Förderung durch das Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BmELV) ist ein mechanischer Schutz vor Schädlingsbefall. Die Kosten der Maßnahmen wurden ermittelt. Der Gehalt attraktiver flüchtiger Stoffe aus Getreide  wird per GC-EAG aus in der Lagerumgebung gewonnenen Proben bestimmt, um die Schädlingsorientierung nachzuweisen. Duftstoffe, wie Benzaldehyd und Heptanol erzeugten in ersten Untersuchungen deutliche Signale auf der Antenne der Dörrobstmotte. In allen Versuchsreihen wurden die Auswirkungen der Lagerungstechnik auf die Getreidequalität in Zusammenarbeit mit dem Max-Rubner-Institut untersucht. Aufgrund des seit 2007 deutlich angestiegenen Weltmarktpreises kann sich eine verbesserte Lagerungstechnik wirtschaftlich heute noch mehr lohnen als früher.

BrotAnschließend konnten alle Teilnehmer bei „Brot & Wein“ die Gelegenheit zum Meinungsaustausch nutzen.

HartlDer zweite Tag der Tagung begann mit dem Schwerpunkt Analytik. Dr. Lorenz Hartl (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) stellte die Prüfung auf Auswuchs- und Fallzahlstabilität bei Winterweizen vor. Die Prozesse der Samenkeimung können schon an der Ähre durch feuchte Witterung zur Vollreife des Getreides einsetzen. Die Keimruhe (Dormanz) der Samen blockiert die Entwicklung des Embryos zum Keimling. Die Domestikation des Wintergetreides führte zum weitgehenden Verlust der Dormanz, sodass alle Samen bereits wenige Wochen nach der Vollreife wieder keimen können. Ausgewachsene Weizenkörner weisen auf ungünstige und verspätete Erntebedingungen hin. Ausgehend vom Embryo werden Keimwurzeln gebildet und Signale zur Produktion von Enzymen ausgesandt, die die Speicherstoffe des Korns abbauen. Amylasen bauen die Stärke im Mehlkörper ab und führen damit zu verminderter Verkleisterungsfähigkeit der Stärke, die über die Fallzahl als Vermarktungskriterium gemessen wird. Bei näherer Betrachtung wurde deutlich, dass mehrere Sorten wiederholt abweichend reagierten. Zum Beispiel zeigte in unseren Versuchen die Sorte Enorm und in Versuchen der LWK Niedersachsen die Sorte Skagen überdurchschnittlichen Auswuchs an den befeuchteten Ähren, obwohl beide eine relativ stabile Fallzahl besaßen. Zur Zerlegung der genetischen Komponenten wurde eine Assoziationsstudie mit 124 Sorten und Zuchtstämmen durchgeführt. In der bisherigen Analyse sind zwölf Genorte sowohl für den Auswuchs als auch für die Fallzahlstabilität verantwortlich. Daneben wurden aber auch sieben Genorte identifiziert, die nur den Auswuchs bzw. die Keimung beeinflussen, ohne dass es gleichzeitig zu signifikanter Wirkung auf die Fallzahl kommt. Drei Genorte wirken sich explizit nur auf die Fallzahlstabilität bzw. Fallzall per se aus. Diese Ergebnisse legen eine zumindest teilweise unabhängige Vererbung von Auswuchsresistenz und Fallzahlstabilität nahe. Zur Beurteilung der Stabilität des marktrelevanten Kriteriums Fallzahl kann auf die direkte Messung der Fallzahl nicht verzichtet werden. Das Probenmaterial muss auf Versuchen basieren, die erst verspätet nach Niederschlägen ab der Vollreife geerntet werden. Alternative Methoden zur Provokation der dieser Bedingungen werden noch geprüft.

RentelÜber Ansätze zur Beschreibung der Fallzahlstabilität von Weizensorten auf Grundlage der Wertprüfungsergebnisse sprach Dirk Rentel (Bundessortenamt). Die Fallzahl als Parameter für die Aktivität der stärkeabbauenden Alpha-Amylase stellt eine wichtiges Handels- und Verarbeitungskriterium dar. Sowohl das Fallzahlniveau als auch die Fallzahlstabilität unter verschiedenen Umweltbedingungen sind sortentypische Eigenschaften. Gegenwärtig wird in der Beschreibenden Sortenliste nur das Fallniveau einer Sorte beschrieben. Die Beschreibung in Form von Ausprägungsstufen (APS) von 1-9 basiert auf dem Mittelwert der Ergebnisse der dreijährigen Wertprüfung mit jeweils 8 Qualitätsergebnissen pro Jahr in Relation zu einer Qualitätsbezugssorte (bei Winterweizen aktuell 'Julius'). Entsprechend dem in der Beschreibenden Sortenliste veröffentlichten Beschreibungsschema umfasst eine APS eine Fallzahlspanne von 30s, wobei die APS 5 bei ca. 240-270s einzuordnen ist. Die die Fallzahl beanspruchenden Witterungsbedingungen der Erntejahre 2010 und 2011 haben zu erneuten Diskussionen und Forderungen hinsichtlich Sorteninformationen zur Fallzahlstabilität geführt. Von verschiedenen Seiten wurden die Aktivitäten zur Etablierung von witterungsunabhängigen Methoden zur Beurteilung des Fallzahlstressverhaltens verstärkt. Es wurde gezeigt, ob auch allein mit den aus der Wertprüfung vorliegenden Daten ausreichend stabile und reproduzierbare Kennzahlen zur Fallzahlstabilität erarbeitet werden können. Es wurden in einem weiteren Ansatz statistische Parameter für die Fallzahlstabilität ausgewertet.

BotterbrodtSabine Botterbrodt (Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V.) stellte rheologische Methoden zur Beurteilung von Getreidemahlerzeugnissen vor. Ziel der Beurteilung von Getreide und daraus hergestellten Mahlerzeugnissen ist es, möglichst schnelle, sichere und reproduzierbare Ergebnisse bezüglich der Eignung eines Rohstoffes zur Herstellung von Backwaren zu erhalten. Die Diskrepanz liegt zum einen in der Schnelligkeit und zum anderen in der Aussagesicherheit der Beurteilungsmethoden. Erfahrungsgemäß bieten sogenannte indirekte Methoden, wie z.B. physikalische, chemisch-physikalische oder auch rheologische Methoden Anhaltspunkte für die Eignung eines Rohstoffes. Die direkten Methoden zur Beurteilung von Mahlerzeugnissen - Backversuche - sind dagegen oftmals aussagekräftiger, allerdings nicht ohne weiteres schnell durchzuführen und relativ aufwendig, so dass man mittels der indirekten Methoden Getreidemahlerzeugnisse charakterisieren kann. Im Rahmen des Vortrages wurden die gängigen rheologischen Methoden zur Bewertung von Getreide- bzw. Getreidemahlerzeugnissen vorgestellt. Hierbei wurde insbesondere auf das Farino-, Extenso- und Amylogramm (Brabender) aber auch auf das Alveogramm (Chopin) eingegangen.

GuddatDen Schwerpunkt über Risiken und Chancen des Weizenanbaus begann Christian Guddat (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft)  mit der Einschätzung der Winterfestigkeit von Winterweizensorten. Erstmals seit 2003 mussten im Jahr 2012 in Deutschland wieder umfangreiche Winterweizenflächen wegen Auswinterungsschäden umgebrochen werden. Jedoch zeigten bereits die Wintermonate 2008/2009, 2009/2010 und 2010/2011 deutlich, dass trotz Klimawandels regional immer wieder mit strengen Frösten zu rechnen ist. Bei Tiefstwerten von regional minus 10 °C bis unter minus 20 °C, auch in Ackerbauregionen, war es meist nur einer schützenden Schneebedeckung der Saaten zu verdanken, dass starke Auswinterungen ausblieben. 2012 mussten in Deutschland deshalb im Durchschnitt etwa 12 % der Winterweizenfläche (ca. 350.000 ha) umgebrochen und neu bestellt werden, regional sogar deutlich mehr. Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft begann in den Jahren 2004 und 2005 damit, die Sorten der Landessortenversuche auf dem extremen Ackerbaustandort Oberweißbach (Thüringer Wald) in Kleinparzellen zu prüfen. Diese Versuche ergaben jedoch, auch wegen des hohen Schneeaufkommens, keine gesicherten Effekte, so dass die Prüfung schon zeitnah wieder beendet wurde. Seit 2006 wird am Standort Dornburg erfolgreich mit der Weihenstephaner Kastenmethode geprüft. Die Auswertung der Daten hatte eine bestmögliche und gut reproduzierbare Sorteneinschätzung für künftige Situationen zum Ziel. Die Winterfestigkeit von Winterweizensorten ist für die landwirtschaftliche Praxis bei der Sortenwahl von herausragender Bedeutung, da sie wesentlichen Einfluss auf den Anbauerfolg hat und Auswinterungen durch andere Maßnahmen nur in sehr begrenztem Umfang verhindert werden können. Zur Reduzierung des Anbaurisikos ist eine größere betriebliche Sortenvielfalt zu empfehlen. Der Anbau von Sorten mit hoher oder sehr hoher Winterfestigkeit bietet die größte Sicherheit vor Auswinterungsschäden. Sie sollten im Rahmen des Sortensplittings im Betrieb in ausreichendem Umfang vertreten sein.

WeinertDr. Joachim Weinert (Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Pflanzenschutzamt) sprach anschließend über die Abschätzung des Toxinrisikos im Getreide über produktionstechnische Faktoren. Der Befall des Weizens durch Fusarien und die damit verbundene Kontamination mit Mykotoxinen hängt neben der Witterung von den Faktoren Vorfrucht, Bodenbearbeitung und Sortenresistenz ab. Der Einfluss dieser Faktoren und deren Verknüpfung wurde im Vortrag ausführlich dargestellt.

SchachtDr. Johannes Schacht (Limagrain GmbH) stellte die Züchtung und den Getreidemarkt in Nordamerika vor.
Der Weizenanbau in Nordamerika erzeugt jährlich etwa 85 Mio Tonnen (US: 62Mio to; Kanada: 23Mio to) und damit knapp 15% der globalen Produktion. Der Anbau in beiden Staaten ist durch große Anbauflächen, eine im Vergleich zu Europa eher extensive Bewirtschaftung und recht niedrige Flächenerträge gekennzeichnet. Erträge schwanken stark und liegen durchschnittlich mit 25 und 40 dt/ha nur etwa halb so hoch wie in Nordwesteuropa. Weiterhin gibt es aufgrund klimatischer Gegebenheiten, v.a. Frost, Trockenheit und Hitze, sowie Erosion eine erhebliche Ernteunsicherheit und Diskrepanz zwischen bestellter und geernteter Weizenfläche (bis zu 20%). Hard Red Winter (HRW) ist mit etwa 43% Marktanteil im mittleren Westen und im Norden die dominierende Qualitätsgruppe, gefolgt von Hard Red Spring (HRS, 22%, Anbau vor allem im Norden), Soft Red Winter (SRW, 19%, Anbau Osten) und Soft White (12%, Anbau in Pacific Northwest). Hard White (1%) und Durum (3%) spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Aufgrund des regelmäßigen hohen Exportüberschusses ist die nordamerikanische Weizenindustrie bereits heute exzellent aufgestellt und organisiert. Die Infrastruktur und der Anbau sind an die Warenströme angepasst. Zeitnah stehen zu allen Qualitätsgruppen die Erntemengen und Qualitäten zur Verfügung und werden digital publiziert.
Die Weizenzüchtung war in den USA und Kanada in der Vergangenheit im Wesentlichen staatlich finanziert und lag in den Händen der Universitäten. Die Universitäten halten heute noch etwa 70% des Marktanteils bei Weizensaatgut. Dies ist jedoch kein sehr lukratives Geschäft, da die Landwirte Weizensaatgut vor allem über Nachbau bereitstellen. Trotz staatlicher Bemühungen, nationalen Sortenschutz und ein Lizenzsystem zu etablieren, steht Weizen bisher im klaren Gegensatz zur Entwicklung anderer Kulturarten wie Mais, Sojabohne, Baumwolle. Bei diesen Arten dominiert der Anteil gehandelten Saatgutes, da es sich entweder um Hybridsorten, vor allem aber um gentechnisch veränderte Sorten (>90%) handelt. Auf diesen Märkten stehen große Saatgutkonzerne bereits seit langem im harten Wettbewerb. Die oben erwähnte globale Initiative gibt dem Weizenanbau und der Züchtung einen neuen Schub. An dieser Stelle entwickelt die private Wirtschaft aktuell enorme Anstrengungen, eigene Zuchtprogramme auf- bzw. auszubauen. Hierzu zählen global agierende Chemiefirmen wie Syngenta, Monsanto, Bayer, DowAgroSciences und DuPont/Pioneer, aber auch originäre Pflanzenzüchter wie Limagrain und KWS. Unterschiedlich ist dabei die Herangehensweise, teilweise werden Programme und Zuchtmaterial der öffentlichen Institute komplett aufgekauft. Teilweise entstehen ‚University/Industry Partnerships‘ die eine Beteiligung an den Saatguteinnahmen vorsehen und so den Fortbestand der Institute sichern sollen.

FreimannAls Vorsitzender des Getreide-Ausschusses beendete Herr Gerhard Freimann (Arbeitsgemeinschaft für Qualitätsweizenanbau Niedersachsen) die diesjährige Tagung für Getreide.

Die 27. Getreide-Tagung findet im März 2015 statt.

Zurück